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Professorin Emmanuelle Charpentier

Preisträgerin, Preis für Biochemische Analytik

Mit Professorin Emmanuelle Charpentier gewinnt den diesjährigen Preis „Biochemische Analytik“ eine für ihre Leistungen in der molekularen Genetik vielfach ausgezeichnete und international anerkannte Forscherin.

Emmanuelle Charpentier wurde 1968 in Juvisy-sur-Orge, südlich von Paris, geboren. Nach ihrem Studium der Biologie, Mikrobiologie und Genetik an der Universität Paris war sie als Postdoktorandin am Institut Pasteur in Paris sowie an der Rockefeller Universität in New York tätig. Weitere Stationen in New York, Memphis (USA), Wien, Umeå (Schweden) und Braunschweig folgten. Im Jahr 2014 erhielt sie eine Alexander-von-Humboldt-Professur, und seit 2015 forscht sie als Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin in ihrer Arbeitsgruppe „Regulation in der Infektionsbiologie“. Gleichzeitig hat sie eine Honorarprofessur am Institut für Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin inne.

Kernthema ihrer wissenschaftlichen Betätigung ist die molekulare Genetik des Immunsystems von Bakterien. Sie entdeckte den Mechanismus der bakteriellen Inaktivierung von Viren mit dem „Trio“ aus den RNA-Molekülen CRISPR- und tacr-RNA sowie der DNAse Cas9. Zusammen mit Jennifer Doudna in Berkeley (Kalifornien) entwickelte sie dieses System dahingehend weiter, dass daraus eine molekulare „Schere“ konstruiert wurde, mit der gezielt Genabschnitte aus einem Genom herausgeschnitten und durch neue DNA-Stücke ersetzt werden können. Diese Technologie trägt somit das Potenzial, Gene zu therapeutischen Zwecken präzise anzusteuern und zu verändern, um letztlich auch genetisch determinierte Erkrankungen kausal behandeln zu können.

Emmanuelle Charpentier erhielt bereits zahlreiche hochrangige Auszeichnungen, unter Anderem den Ernst-Jung-Preis, den Leibniz-Preis der DFG, den Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preis, die Carus-Medaille der Leopoldina sowie den Japan-Preis. Sie ist Mitglied mehrerer Wissenschaftlicher Akademien, darunter der Leopoldina, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der acatech sowie der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Darüber hinaus ist sie Trägerin des französischen Ordre National du Mérite.

Die Liste ihrer Publikationen ist beeindruckend, jedoch nicht nur auf Grund ihrer Anzahl, sondern auch auf Grund der Breite ihres wissenschaftlichen Interesses, das von der molekulargenetischen Immunologie über die Bakteriengenetik bis hin zu Untersuchungen des Mechanismus molekularer Maschinen zur Geißelbewegung bei Bakterien reicht und in der fruchtbaren Kooperation mit den Laboratorien in ihren bisherigen Wirkungsstätten in Braunschweig und Umeå seinen Ausdruck findet. Die Beschäftigung mit molekularen Maschinen in Bakterien schlägt eine Brücke zu Professor Ben Feringa und seinem Forschungsgebiet, ebenso wie eine ihrer jüngsten Veröffentlichungen: Zusammen mit Kollegen aus der Biophysikalischen Chemie in Berlin konstruierte sie eine durch Licht aktivierbare Variante des Cas9, des entscheidenden Bestandteils ihrer „Genschere“.

Preis für Biochemische Analytik